Unser Dorf Kladow

 

Kladow ist ein 10,7 km2 großer, ländlich geprägter Ortsteil zwischen der  Havel und der westlichen Stadtgrenze zur Kreisfreien Stadt Potsdam und zum Großkreis Potsdam-Mittelmark  des Landes Brandenburg . Zu Kladow zählen seit Sommer 1945 auch die  östlich des  Groß-Glienicker Sees gelegenen Teile von Groß-Glienicke (darunter der frühere Gutshof), die damals durch einen Gebietstausch der Alliierten dem im britischen Sektor liegenden Kladow zugeordnet wurden, um den Ausbau des britischen Militärflughafens Gatow zu ermöglichen. Im Zuge der Vereinigung wurden diese Gebietsgewinne durch den Einigungsvertrag auf Dauer bestätigt.

Das Platzdorf “Clodow” wird erstmals 1267 urkundlich erwähnt, als der Ritter Arnold von Bredow  Abgaben des Dorfes dem Kloster in Spandau stiftete, dem es bis zur Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisierung 1558 unterstand. 1799 wurde das Lehnschulzengut mit seinem umfangreichen Besitz in ein Erbzinsgut umgewandelt und damit begann die Verlagerung des Gehöfts auf den nördlichen Teil der Feldmark und wurde Grundlage der im Jahr 1800 erfolgten Anlage des Vorwerks Neu-Kladow am nördlichen Havelufer. Auswirkung zeigten sich u. a. schnell in der  Gründung mehrerer Gehöfte am nordwestlichen Ortsausgang nach Groß-Glienicke. Mittelpunkt des mittelalterlichen Dorfes ist die Kirche, die allerdings 1808 abbrannte und erst 1818/19 unter Verwendung des ursprünglichen Feldsteinbaus aus der Wende vom 13. zum 14. Jh. wieder aufgebaut wurde. Eingreifend war die Wiederherstellung des Jahres 1953, bei der im Osten ein quadratischer Chorraum angefügt und die Inneneinrichtung vollkommen verändert wurde.

Die zum Teil sehr aufwendigen Neubauten von Bauernhäusern vom Ende des 19. und Beginn des 20. Jh. bezeichnen noch heute die Lage des in seinem Kern gut erkennbaren Dorfes. Besonders zu nennen sind Alt-Kladow Nr. 21 mit einer Jugendstilfassade (um 1900) und Sakrower Kirchweg Nr. 9 (um 1880-90).

Der am Ende des 19. Jh. verstärkt einsetzende Ausflugsverkehr an die  Havelseen führte zum Bau vieler Landhäuser und Villen in Kladow. Erwähnenswerte Beispiele sind die 1895 errichtete Backsteinvilla “Inselblick” an der Sakrower Landstr. 141-143 und die 1905/06 erbaute Villa am Temmeweg 10 für Wilhelm Wertheim, die von Alfred Messel nach Vollendung seines Hauptwerkes, dem im 2. Weltkrieg schwer beschädigten und 1953/57 abgerissenen Warenhaus in der Leipzigerstraße. Mit der 1892 eröffneten (noch heute bestehenden) Fährverbindung nach Wannsee entstanden mehrere Gaststätten-komplexe, darunter am bekanntesten das Ausflugslokal “Helgoland” mit großem Veranstaltungssaal und Kegelbahn. Der bis in die Gegenwart erweiterte umfangreiche Bestand an Einfamilienhäusern bietet gute Einblicke in das Gestaltungsvermögen Berliner Architekten. Aus der Zeit des Werdens der Villenkolonie sind noch einzelne beachtliche Landhäuser erhalten, wie, am Schwemmhorn 3 , das 1924 im Tudorstil nach einem Plan von John Cambell für Erich Mendelsohn gebaute Haus oder daneben die 1912 errichtete Villa des Architekten Albert Geßner. Zwischen 1933 und 1938 verdoppelte sich mit der Ansiedlung militärischer Einrichtungen des Heeres und der Luftwaffe sowie mit dem zum Teil damit verbundenen Entstehen neuer Straßen und Siedlungen die Einwohnerzahl. Bekannte Macht-haber des Naziregimes zog es nach Kladow. In der Villa am Roten Stein, in der zuvor auch Hans Albers wohnte, zog Joseph Goebbels mit seiner Familie ein. Heute ist die Villa Gästehaus der ev. Kirche. Seit 1977 residierte am Kladower Damm 229 der  Deutsche Entwicklungsdienst. In den zu Kladow gehörenden Teilen des im Land Brandenburg liegenden alten Gutsdorfes Großglienicke sind seit 1945 neue Wohn- und Wochenendsiedlungen, aber auch ein Campingplatz und Ausflugsrestaurants entstanden. Der schöne See mit seinem Strandbad ist trotz häufig beanstandeter Wasserqualität im Sommer ein Anziehungspunkt für viele Berliner. Für die Verunreinigungen sind u.a. auch Kanalisationsmängel in Kladow und Groß-Glienicke ursächlich. An das Gut Ritterfeld, dessen stattliches Haus in den 50er Jahren abgerissen wurde, erinnert am Nordende des Ritterfelddamms der neogotische Torbau und wenig davon entfernt führt in Verlängerung der Potsdamer Str. in südliche Richtung eine neue Straße in die Hauptstadt des Landes Brandenburg. 

Bei der letzten Volkszählung in West-Berlin lebten in Kladow knapp 11.000 Menschen.

   

 

Blick vom Bogengang der Sacrower Heilandskirche auf die Havel

 

Im Schloßpark Sacrow

 

Der Jägerhof am Sacrower See

 

An der Grenze zu Groß-Glienicke soll dieses Stück Mauer als Mahnmal erhalten bleiben

 

 

 

Text mit freundlicher Genehmigung des FAB-Verlages aus:

© FAB-Verlag, Berlin 2004.